AutoArchitekturItalien, das ‚Geistige Eigentum‘ und die deutsche Wettbewerbsfähigkeit

Wie man als schöpferischer Mensch von der allgemeinen Rechtepropaganda zum Piraten-Fan gemacht wird, auch wenn man naturgemäß kein Fan der von den Medien vorgeführten Piraten sein muß.

Die Panikattacken der bisherigen Politik (nicht nur der FDP) und Medien treiben wirklich absurde Blüten, so wie gestern als in einem Magazin (es war wohl Kontrovers aus Bayern oder Panorama …) die Piraten als Sargnagel des deutschen Wohlstands zelebriert wurden – als ob die Piraten sofort die Macht übernehmen würden.

Doch zuerst einmal zum Umgang mit Grundeigentum, welches Deutschen wohl noch mehr am Herzen liegt, um zu zeigen, wie wenig eigen doch Eigentum ist:

  • Wenn ein staatliches Interesse oder ein Interesse von bestimmenden Akteuren vorliegt, dann wird auch enteignet und getrickst, solange es nicht zuviel Aufmerksamkeit auf sich zieht und das Beispiel Stuttgart 21 zeigt, daß selbst dies keine Garantie für eine Änderung von Projekten ist
  • Wenn eine Städtebauplanung beschlossen wird, dann ‚dürfen‘ ‚Eigentümer‘ Ihr Grundstück zu erhöhten Preis wieder kaufen.
  • Wenn eine EnEV beschlossen wird, müssen ‚Eigentümer‘ bei der Renovierung den Tribut zahlen.

Nun zum Umgang der Industrie mit Arbeitnehmern wie es dann in gewisser Weise auch Künstler und Wissenschaftler sind

  • Der Traum der Einkäufer ist eine Umsonstmentalität, wie man sie den Piraten unterstellt und eine Kritik daran ist genauso verlogen, wie private Käufer für China-T-Shirts zu beschuldigen, während dies einfach unternehmerisches Denken ist.
  • Die Sweat-Shops, die Minijobber und die Rechteabtretungsverträge gehören der gleichen geistigen Sphäre an.

Natürlich ist die Fokussierung auf Musik und Filme und deren unentgeltlichem Konsum verständlich vor dem Hintergrund der Privatfernsehens-Welt, aber dies ist für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschland genauso wichtig wie die üblichen Beiträge zum Thema ‚Geistiges Eigentum‘. Und die Vermischung mit der Frage von Erfindungen und Patente und der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands ist einfach perfide. Dies zeigt nur, daß genau wie zu Zeiten, wo die Erde noch eine Scheibe war, die Welt, die Planetenbahnen eher an Achterbahnstrecken erinnerten.

Die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands hängt ab von

  • Priorität der Realisierung gegenüber der Realität
  • Respektlosigkeit gegenüber ewigen Wahrheiten und Schulden als Kern des Forschergeistes und der Innovation
  • Respekt vor den geistigen Leistungen statt unverstandene Technikmoden
  • Zitatewesen mit OpenAccess-Forschung statt Zitatedekoration der Plagiatoren
  • Spiel mit den geistigen Konzepten und Inhalten
  • Mut zu etwas anderem als nur der Perfektion des Abgestandenen
  • Ãœberführung von Ideen in Produkte und Dienstleistungen

Doch die allgemeine Mentalität ist Abgestandenheit und allein schon die Verlängerung von Schutzfristen in einer überhitzten, schnelllebigen Zeit zeigt schon den Realitätsverlust der um Bedeutungsverlust besorgten Akteure.

Führende Forscher, führende Vermarkter, führende Unternehmen werden von Politik-Trollen, Normierungs-Trollen, Mainstreammedien-Trollen, Amts-Trollen, Patent-Trollen und ähnlichen Faktoren mindestens genauso gefährdet wie durch Plagiate und nicht lizensierte Vervielfältigung, doch dort weiß man, daß gerade die Diffusion von Konzeptionen und Ideen die Führenden dazu zwingt, sich nicht ‚auf den Lorbeeren auszuruhen‘, weil dies den Keim des Untergangs in sich trägt.

Beherrschende Unternehmen, Monopole, Strukturen sind für die Stärke eines Staates viel gefährlicher als Umsonst-Vervielfältigungen und darum sollte es auch Pendants zum Kartellamt in den Bereichen Patente, Ideologien, Verwaltungsstrukturen geben. Die wirklichen Staatsfeinde sitzen in den Machtpositionen, ganz einfach weil deren Handlungen multipliziert realisiert werden, währenddessen Raubkopierer, Kriminelle, Terroristen meist nur Marionetten sind.

Ein bisher nicht existentes modernes Management von geistiger Entwicklung und Honorierung würde gerade den Künstlern, (IT-)Freiberuflern, Selbständigen und Mittelständischen Unternehmen nutzen, die heute durchs Raster fallen.

Der aktuelle Hype ist darum zuerst ein Ablenkungsmanöver, Ablenkung von Inkompetenz, von Untätigkeit, von Fernsteuerung und von realer, echter Diskussion über die Prioritäten eines zukunftsfähigen statt regressiven und repressiven Staates. Die Piraten sind darum ein Korrekturfaktor, der die Chance auf bessere Justierung der Ideengenerierung bietet, vielleicht ‚pubertierend‘ wie ‚Bangle-Design‘ bei BMW, aber die Basis für Emanzipation und Entwicklung.

Doch natürlich ist keinerlei Hoffnung für die Vision einer Gesellschaft, der es eigen ist, wesentlich geistig schöpferisch zu sein, wo die Politik der Kleinlichkeit keinen Raum mehr bekommt, sondern die Entwickler schneller entwickeln als die anderen kopieren oder verhindern oder behindern können. Einer Art von Innovations-Squash, wo geistige Freiheit sich beweist.

AutoArchitekturItalien schreibt dies vor dem Hintergrund der ‚Pfefferminzschlag‘-Erfahrung, wie es ist, wenn man sein eigenes (Schrift)Werk mit wenigen Änderungen wortwörtlich im Handelsblatt entdeckt – ‚raub’kopiert von einer öffentlichen Stelle. Und darum liegt es fern hier eine parteiische Sympathie für die Umsonstmentalität (und Mondbewertungen) bei Verbrauchern, bei Unternehmen und Verwaltungen zu sehen. Selbst wenn es um ‚Fast-Food-Gedudel‘ geht.

Doch andererseits ist natürlich soviel Dankbarkeit (und Haß) für die Zitate, die Prägungen, die Methoden, die Erfahrungen etc. vorhanden, daß keine Ehrfurcht vor dem ‚Goldenen Kalb‘ ‚Geistiges Eigentum‘ (oder ‚Christliches Abendland‘ etc.) bestehen kann, weil die Grundfrage: „Was ist mein Eigentum?“ nicht anders als zitierend, dynamisch und sozial gesehen werden kann.

Stärker und größer kann man selber oder ein Land nur werden, wenn man tiefer und intensiver wird, statt in der Art von Übersprunghandlungen sich zu empören oder katatonisch zu konsumieren, weil dies meist verhindert, sich den eigenen Zitat-Charakter bewußt zu machen.

AutoArchitekturItalien bereitet den Relaunch vor, nachdem das Thema ‚Architektur‘ im Hintergrund vertieft wurde und nun ein ‚Neues Arkadien‘ geschaffen werden kann, eine Gegenwelt zur verordneten Langeweile. Was daran eigen ist, ist schwer zu sagen, aber es ist einfach festzustellen, daß es sich neu anfühlt.

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