Update zu: Warum Kalkputz besser als Lehm ist – eine historische Betrachtung ‚aus der Lamäng‘

Aussagen mit historischem Bezug, die für Rheinkalk, Otterbein natürlich genauso gelten.

Bei der Zisterzienser-Abteil im badischen Schönau wurde naturgemäß der lokale Sandstein verwendet, wahrscheinlich auch Kalk von den wenig südlich gelegenen Vorkommen, aus denen noch heute Heidelberg-Zement und Hessler Kall schöpfen.

Aber warum wurde so gebaut? Wahrscheinlich weil der Zistersienser-Orden im viel wärmeren Südfrankreich (heutige Bezeichnung) seine Heimat hat und dazu natürlich auch durch Ordnung, Organisation und Architektur den Glauben propagierte.

In einem engen, in langen Zeiten des Jahres dunklen Tal im Odenwald mit Sandstein zu bauen, läßt sich wahrscheinlich nur aushalten in einem gut besetzten Dormitorium und mit Bier. Vielleicht gab es in dieser Zeit der Rodung natürlich auch unendlich viel Holz …

Ein Bau mit Fachwerk und Lehmgefachen auf einem massiven Fundament war dagegen viel komfortabler und vielleicht waren natürlich auch viele Gebäude der Abtei zu dieser Zeit so gebaut, weil dies so viel einfacher zu realisieren ist – aber dies kann man nicht verallgemeinern, weil in den Ãœbergangszeiten der Stein-Keller oder -Bau unangenehm ist, aber bei tiefem Frost oder bei großer Hitze soviel besser ist, weil die Erde ca. 10° hat.

Wahrscheinlich war der Lehm sogar Abfall beim Bau der Fischteiche für die ‚fleischlose‘ Zeit. denn genauso wie hier, ein paar Meter entfernt im Garten, wo es den ’schwarzen Letten‘ gibt, d.h. einen in der Tiefe ‚klebrigen‘ Boden, der vom Humus des Pfälzer Waldes gefärbt ist, wird in der Nähe der Bäche wohl Rohstoff gewesen sein.

Aus dieser Zeit und später resultierte wohl der Spruch: „Die reichen Leute in Steinhäusern werden krank, während die armen Leute … (kontradiktive Veränderung durch den Autor) an anderen Gründen sterben.“

Der Wärme-Komfort ließ sich nur noch steigern durch den integrierten Viehstall, was natürlich gewisse andere sirrende Störungen mit sich brachte, die auch zu Ostfriesen-Witzen inspirierten … aber auch einfach durch die angebaute Scheune, das gelagerte Heu, den ‚puffernden Luftraum‘.

Am Mittelrhein hat man trotz der Nähe zu den Bimsvorkommen einfach mit Schiefer gebaut und die Wärmeleitung war (auch aufgrund des Klimas) ungebläht noch schlimmer als beim Sandstein, aber es hat wohl bis in die Neuzeit (und dies meint das Zementzeitalter statt den historischen Begriff) gedauert, bis man mit Bimsbetonsteinen dort Fortschritte erzielt hat. Später wohl mit Bimshohlblocksteinen, die nicht nur die feinen vulkanischen Poren nutzen, sondern auch Lufträume schaffen.

Im Bergischen oder Oberbergischen Land, dem Land von Weiß, Braun und Grün (als Hausfarben), hat man die vorkommenden harten Gesteine wie die Grauwacke genutzt, mit Kalk aus Lennestadt oder Wülfrath (heute Rheinkalk – der Erinnerung nach) und darauf Fachwerk mit Lehmgefachen mit Kalk-Finish gemacht, was sich am Haus Dahl in Marienheide genau ablesen läßt.

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Mit baulichem Wetterschutz konnte man trockene und einigermaßen isolierte Gebäude schaffen, zumal in Kombination mit ‚luftigen Fenstern‘ und Öfen bzw. Herde, die dafür sorgten, daß innen eine eher luftfeuchtigkeitshungrige Luft vorhanden war. So gab es immer eine Entfeuchtung … im Prinzip. Aber man mußte sich ‚dreimal am Holz wärmen‘, d.h. beim Fällen, beim Transportieren, beim Heizen …
Die ‚Augenzeugen-Berichte‘ aus um 1900 modernen, nur noch aus Stein aus dem Steinbruch neben dem Haus (kann man wohl heute noch sehen) gebauten Häusern sind da ernüchternd, weil die Familie den Winter zu einem großen Teil im Bett verbrachte … was nicht romantisch, sondern praktisch war.

Zuerst kamen die Schiefer-Fassaden, die man natürlich als dünne Haushülle leichter transportieren konnte als den wirkliche Baustoff, doch später war der Bimsbetonhohlblockstein ein großer Fortschritt. Wie Mineralwolle-Fertighäuser …

Dank der Bautechnik ab dem 18ten (wegen des französischen Fortschritts) und 19ten Jahrhundert und später dank des Rohöls, Heizöls konnte man alles erhitzen … und dank der wirtschaftlichen Ausbeutung ist heute Bauen zu einem großen Teil das Ausleben von Luxus gworden, d.h. man baut zur sozialen Differenzierung.

Lehm ist nun als Archetyp (des günstigen Bauens vor Jahrhunderten) ideologisch überhöht, denn mit Holz, mit Bims, mit Hanf, ggfs. auch mit Stroh wird Kalk nicht mehr nur zum Bindemittel von Luxusbauten, sondern im Vergleich zu Granitküchenplatten aus Indien so bodenständig, so günstig, so unwiderstehlich … oder?

In einer modernen, (auch wegen der käsemordenen Nazis) überhygienisierten Zeit sind normierte, pulverisierte, … Baustoffe sehr interessant und dies ist der Gegenpol zu den Bau-Atavismen der Lehmbaufanatiker (man redet besser nicht über Details).

Doch in vielen Fällen ist Kalk als Bindemittel oder Oberfläche einfach unschlagbar!

Natürlich auch auf Lehm, statt Lehm, auf Holz … uvm.

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2 Gedanken zu “Update zu: Warum Kalkputz besser als Lehm ist – eine historische Betrachtung ‚aus der Lamäng‘

  1. Wir haben uns für eine Lehminnendämmung entschieden und erst angefangen den Lehm mit Lehmfarben zu streichen. Unser 1a ausführendes Lehmbau Unternehmen Fach-Krafft-Werk (http://www.fachkrafftwerk.de) aus Solingen hatte uns den Tipp gegeben eher mit Kalkfarbe zu arbeiten, da die Farbe etwas feuchtigkeitsbeständiger ist. Und was soll ich sagen? Die hatten recht. In dem Lehmfarbenraum hat sich die Farbe leicht gelöst nachdem sie mit Wasser in Berührung gekommen ist und die Kalkfarbe hält super.

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  2. Kommentar der Redaktion:
    Es ging bei dieser Betrachtung um die Rolle von Kalk als dem Baustoff, mit dem man Steinhäuser bauen konnte und mit dem man heute mit den entsprechenden Zuschlägen auch gedämmte Steinhäuser bauen kann.

    In Bezug auf die Oberfläche sind die heutigen Lehmputze natürlich viel besser vergütet … aber einfach, weil sie nur trocknen, statt zu reagieren, spielen sie in einer anderen Liga. Was natürlich auch für die Farben gilt.

    Aber in Bezug auf den Kommentar wird natürlich deutlich, was das Thema ist:
    http://www.fachkrafftwerk.de/ref_lange.html

    Fach Krafft Werk kann einfach eine Projektgeschichte senden, wenn sie informativen Schwerpunkt hat.

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